Human Resources Management kann jeder! Ist dem so?

Bevor Sie jetzt denken „das interessiert mich nicht, schliesslich arbeite ich nicht im Personalbereich“ lesen Sie bitte trotzdem weiter. HR ist nur ein Beispiel einer Berufsgattung, bei der viele Menschen meinen, sie können das auch. Vermutlich geht es den qualifizierten Immobilienmaklern, Versicherungsberatern, Lehrern, PR-Beauftragten, Fitnesstrainern, Serviceangestellten, Innendekorateuren, etc. ähnlich.

HR kann jeder! Dieser Aussage wollen wir anhand eines fiktiven Beispiels etwas näher auf den Grund gehen.

Peter hat Marketing studiert, weil er es mag, eine neue Marke oder ein neues Produkt im Markt einzuführen.

Nach dem Studium fand Peter in einem grösseren Unternehmen in der Marketing-abteilung den Einstieg ins Berufsleben. Er durchlief eine klassische Laufbahn, vom Sachbearbeiter bis zum Teamleiter. Und heute? Heute ist Peter Personalleiter beim selben Unternehmen! Ohne Weiterbildung, einfach so, weil er mal was anderes machen wollte und es dem Unternehmen vielleicht auch einen aufwändigen Rekrutierungsprozess ersparte.

 

 

Anwälte müssen die Anwaltsprüfung bestehen. Ein Arzt braucht eine Facharzt-ausbildung. Um ein Flugzeug zu fliegen, muss ein Pilot eine Pilotenprüfung ablegen. Es wurde sogar diskutiert, ob man als Grosseltern einen Fähigkeitsausweis benötigt, um seine Enkel hüten zu dürfen. 

Man kann sich darüber streiten, ob Prüfungen und Diplome Sinn machen und ob HR das braucht. Dennoch vermitteln sie zwei deutliche Botschaften: man tritt den Nachweis an, fachlich gut ausgebildet zu sein und vermittelt Professionalität nach aussen. Natürlich ist man nicht automatisch ein guter Anwalt, Arzt oder Pilot, nur weil man die entsprechende Prüfung abgelegt hat. Doch sie garantiert zumindest ein gewisses Mass an Qualität.

In der Schweiz gibt es zwar spezifische HR-Ausbildungen, die mit einem eidgenössischen Diplom abschliessen (Personalassistent, HR Fachmann, HR Leiter), doch diese Nachweise werden oftmals gerade für höhere Positionen im HR Management nicht zwingend verlangt.

Wenn also schon kein qualifizierter Ausbildungsnachweis erforderlich ist, um die Funktion als Personalleiter erfolgreich ausüben zu können, konzentrieren wir uns demnach auf die Kompetenzen, die ein HR Manager haben sollte:

 

Empathie (Einfühlungsvermögen) rüberbringen

Sich für die Menschen im Unternehmen zu interessieren und die Fähigkeit zu haben, sich in die Gefühlswelt des Gegenübers versetzen zu können, sind zentrale Elemente, um als HR erfolgreich zu sein.

 

Das Geschäft verstehen

Personalverantwortliche müssen verstehen, wie das Unternehmen Geld verdient und wie der Wirtschaftskreislauf funktioniert. Nur so kann man auf Augenhöhe mit den Linienverantwortlichen diskutieren und andere von seinen Ideen und Projekten überzeugen.

 

Das Mülleimer Dasein bewältigen

HR ist für andere da. Eine der grössten Herausforderungen für HR-Leute ist der Umgang mit schwierigen, emotional belastenden Situationen. Wie verarbeiten sie all die bewegenden und teilweise sehr traurigen Geschichten und Schicksale der Mitarbeiter? Wo finden sie den notwendigen Ausgleich, um damit fertig zu werden? Wer nimmt ihnen den Ballast von den Schultern? Oder auf Deutsch gesagt: wo leeren HR-Leute ihren eigenen vollen „Eimer“? Es gibt keine Musterlösung. Jeder HR Verantwortliche muss einen Weg finden, sein Mülleimer-Dasein bewältigen zu können.

 

Mit ständiger Ablenkung umgehen

Nicht nur mit der emotionalen Belastung umgehen zu können ist eine grosse Herausforderung, sondern auch die stetige Ablenkung. Von HR wird erwartet, dass es für die Besprechung eines Themas mit einem Mitarbeiter oder einer Führungskraft jederzeit zur Verfügung steht. Also muss HR neben der emotionalen Belastung auch einen Weg finden, mit den vielen Unterbrechungen umzugehen.

 

Flexibilität, Agilität und Mobilität an den Tag legen

HR soll als Vorbild fungieren. Die Mitarbeiter beobachten, wie sich die HR Mitarbeiter verhalten. HR muss Veränderungen initiieren und mittragen. Personalverantwortliche tun gut daran, ihre eigenen persönlichen Werte und Haltungen zu kennen, das eigene Verhalten zu hinterfragen und in einen agilen Kontext zu integrieren. Nur so wird HR als echter Kultur- und Organisations-entwickler wie auch als Veränderungsbegleiter wahrgenommen. 

 

Digital unterwegs sein

Die Welt, in der wir heute leben, funktioniert vor allem digital. Dies gilt auch für den Personalbereich. Ohne laufende Aktualisierung der digitalen Kenntnisse steht ein HR Manager auf verlorenem Posten.

 

Leidenschaft entwickeln

Ohne Leidenschaft und Herzblut für Ihre Aufgaben und für die Menschen, mit denen Sie jeden Tag zusammenarbeiten, werden Sie nie ein „wahrer“ HR Manager sein. Einem HR-Verantwortlichen, der für seine Tätigkeit mit Leidenschaft brennt (in vernünftigem Ausmass), vertrauen die Mitarbeiter mehr als jemandem, der soeben mal gerade Lust hat, ein bisschen HR zu machen.

Ich sage nicht, dass unser Peter Muster per se kein guter Personalleiter ist. Besitzt er hingegen neben dem fehlenden Fachausweis im Personalbereich auch nicht die notwendigen HR-Kompetenzen, so müssen wir konstatieren: HR kann zwar nicht jeder, tut es aber doch!

Tanja Steiger

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