Crowdsourcing und Crowdworking – Arbeitsmodelle der Zukunft?

Wenn von Digitalisierung in Unternehmen die Rede ist, taucht hin und wieder der Begriff Crowdsourcing auf. Er setzt sich zusammen aus crowd (englisch: Menge) und Outsourcing, also dem Auslagern von Tätigkeiten oder ganzen Tätigkeitsfeldern.

Im Gegensatz zum klassischen Auslagern von einzelnen Tätigkeitsfeldern erlaubt es die Digitalisierung, auch in diesem Bereich flexibler und situativer zu agieren.

Unternehmen sind in der Lage, die Arbeitsleistung ganzer externer Gruppen für sich nutzbar zu machen, indem Projekte oder Projektanteile an sie über das Internet abgetreten werden. Was früher der externe Dienstleister war, den man bei Bedarf zu Hilfe rief, ist heute die Internetcommunity, die sich auf Vermittlungsportalen für Projektarbeiten zur Verfügung stellen.

 

Crowdsourcing and Working

 

Virtueller Arbeitsplatz mit wenigen Verpflichtungen

Um Crowdsourcing für sich nutzbar zu machen, ist es daher notwendig, sich über ein entsprechendes Netzwerk der verfügbaren Community zu zeigen. Ähnlich einem Jobportal erstellt der Auftraggeber, oder Crowdsourcer, ein Profil. Ihm gegenüber stehen die Profile zahlreicher Crowdworker.

Meist handelt es sich bei Crowdworkern um einzeln tätige Freiberufler, nebenberuflich Tätige, Studierende oder Kleinunternehmer. Sie arbeiten projektbezogen und werden über Werkverträge oder auf Honorarbasis verpflichtet.

Nach erledigtem Auftrag trennen sich die Wege von Crowdworker und Crowdsourcer wieder, es sei denn, man kommt für weitere Projekte überein. Für den Auftraggeber ergeben sich aus diesem Arbeitsverhältnis deutlich weniger Verpflichtungen als aus anderen: zum einen zahlt er lediglich die tatsächlich erbrachten Leistungen, zum anderen fallen für ihn keine Sozialabgaben oder weitere Kosten an.

Lediglich eine geringe Vermittlungsgebühr oder eine monatliche Gebühr werden von einigen der Plattformen erhoben. Sie dienen der Qualitätssicherung.

 

Digitale Fleißbandarbeit im Akkord

Je nachdem, welche Arbeiten ausgegliedert werden, unterscheiden sich die Crowdworker und auch die Plattformen in Klientel und Anspruch voneinander.

Die sogenannten Clickworker sind die Fließbandarbeiter der digitalen Zeit. Sie produzieren oft einfache Inhalte oder tragen Daten zusammen. Dabei erhalten sie einen minimalen Stundenlohn, der sich nach fertiggestellten Einheiten bemisst. Sie werden oft freiberuflich beschäftigt und konkurrieren mit hunderten anderer Clickworker.

 

 

Es gilt bei neuen Aufträgen, die oft über eine Plattform ausgeschüttet werden, das Prinzip des Schnelleren: wer den Auftrag für sich beansprucht, erhält ihn. Die Arbeitsbedingungen sind in den meisten Fällen nicht verhandelbar und für alle Clickworker einer Plattform gleich.

Manche Betreiber zahlen Staffellöhne je nach Qualifizierung des Clickworkers. Bei Aufnahme in das Netzwerk wird dabei über einen Einstufungstest das Kompetenzlevel des Newcomers ermittelt und daran sein künftiger Lohn pro Wort/Stunde/Einheit bemessen.

 

Konkurrenzkampf um den Sieg beim nächsten Pitch

Bezogen auf die Inhalte der Arbeiten sind die Grenzen zwischen Clickworkern und gut bezahlten Freiberuflern, der zweiten Gruppe von Crowdworkern, fließend.

So finden sich auf Plattformen wie freelance.de, gulp.de oder twago.de neben Projektleitern, die den hochqualifizierten Grafiker oder Texter suchen, auch zahlreiche Auftraggeber, die für nicht einmal 10€/Stunde weniger anspruchsvolle digitale Fließbandarbeit zu vergeben haben.

Was der Auftraggeber für die Arbeit zu zahlen bereit ist und für wie anspruchsvoll er sie darum anpreist, schwankt mitunter stark. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Die Stundenlöhne und die Arbeitsbedingungen von nebenberuflichen oder studierenden Clickworkern und hochqualifizierten Freiberuflern unterscheiden sich immens. Ebenso steht es aber auch um die Qualität der Arbeit und um die Ansprüche des Projektgebers.

 

Welche Risiken birgt das Crowdsourcing und für wen?

Das größere Risiko trägt hierbei in den meisten Fällen allerdings der Crowdworker, nicht der Crowdsourcer. Bezahlt wird am Ende nämlich oft nicht nach geleisteten Stunden, sondern für das gelieferte Ergebnis.

Für den Auftraggeber heißt das: gelangt er an einen Experten oder eine kompetente Fachkraft, kann er normalerweise mit zügiger Fertigstellung und gut erfüllter Aufgabe rechnen. Der einmal vereinbarte Preis ändert sich für ihn allerdings auch dann nicht, wenn er nachträgliche Verbesserungen vornehmen lässt. Der Werkvertrag sichert ihm das beauftragte Werk zu, ganz gleich, wie oft es in die Nachbesserung gehen muss.

 

Qualität hat ihren Preis – auch im Crowdworking

Die zusätzliche Arbeitszeit geht auf das Konto des Crowdworkers. Im Gegensatz zum Clickworker sollte ein vollberuflicher Freiberufler sich durch eigenständige, fachlich versierte und hochqualifizierte Arbeit auszeichnen. Das rechtfertigt seinen höheren Stundenlohn.

Das Risiko des Crowdworkers besteht darin, bei unzureichenden Briefings, daraus folgenden Korrekturen des Ergebnisses und somit zusätzlicher Arbeitszeit den eigenen Stundenlohn zu drücken.

Für den Crowdsourcer hingegen besteht das Risiko, an einen unqualifizierten Externen zu gelangen. Beide sichern sich allerdings ab, wenn sie über eine entsprechend hochwertige Vermittlerplattform zusammenkommen.

 

Vorteile für Unternehmen und Crowdworker

Denn die Netzwerke überprüfen Crowdworker meist im Voraus auf Qualifikationen und Expertise.

Als Crowdsourcer wählen Unternehmen somit aus einem bereits verantwortungsbewusst vorsortierten Talentpool.

Teilweise lassen sich neben Zeugnissen und Bewertungen bisheriger Auftraggeber auch Arbeitsproben einsehen. Dem Unternehmen bietet sich eine Gruppe genau der Talente an, die es sucht.

Bei hauptberuflichen Selbständigen ist die Vergabe des Projektes dann unter Umständen noch abhängig von den finanziellen Verhandlungen. Doch bei erfolgreicher Zusammenarbeit kann sich auch aus dem Crowdsourcing eine langfristige Zusammenarbeit ergeben.

 

 

Konkurrenzkampf um den Sieg beim nächsten Pitch

Im Bereich kreativer Wettbewerbe (etwa bei Architekten) ist es üblich, dass nur der Gewinner des Wettbewerbs, der, dessen Pitch zusagt, für seine Arbeit auch entlohnt wird. Das Prinzip ist in kreativen Berufen wie in denen der Werbebranche seit Jahrzehnten etabliert: der Kunde sucht sich die Werbeagentur oder den Werbeschaffenden, dessen Idee und Strategie ihm am ehesten zusagen. Dieser erhält den Zuschlag und oft auch Folgeaufträge.

Was in der Kreativbranche der übliche Weg ist, wird dank Internet nun auch in anderen Arbeitsbereichen zur Norm. Die jungen Talente haben das Crowdworking besonders in digitalen Arbeitsbereichen wie der Programmierung, dem Bloggen, Texten und Designen schon jetzt für sich entdeckt. Immerhin kombiniert es ihren Drang nach Unabhängigkeit mit dem Wunsch nach selbständigem, verantwortungsbewussten Arbeiten.

Bereits jetzt haben Globalisierung und Digitalisierung dafür gesorgt, dass weltweit zahlreiche junge digitale Nomaden dort arbeiten, wo es ihnen– und für wen es ihnen gerade am besten gefällt.

 

Millennials Rekrutierung - Work 4.0

 

Zwar werden hier und da noch immer die Stimmen laut, die vor unsicheren Verträgen und mangelhafter Kommunikation im Crowdsourcing warnen.

Wer sich allerdings die Zeit nimmt, nach einer kompetenten und renommierten Plattform zu suchen, sich Empfehlungen durchzulesen und ein umfassendes Briefing für seine Aufträge aufzusetzen, erhält mit Crowdsourcing die gleichen Chancen und Risiken wie bei einer internen Auftragsvergabe.